Nachruf

Am 25.November 2021 starb Professor Dr. Dieter B. Herrmann, der ehemalige Direktor der Archenhold-Sternwarte und des Zeiss-Großplanetariums Berlin im 83. Lebensjahr. Damit ist eine der erfolgreichsten Stimmen der populärwissenschaftlichen Vermittlung der modernen Naturwissenschaft, vor allem aber der Astronomie verstummt.

Nach dem Studium der Physik und Promotion an der Humboldt-Universität übernahm er am 1.11.1976 die Leitung der Archenhold-Sternwarte in Berlin Treptow als Nachfolger von Diedrich Wattenberg. Unter seiner Leitung erfuhr die Archenhold-Sternwarte eine gründliche Restauration, einschließlich der Wiederherstellung der Funktionen des Großen Refraktors.

Aus der Position des Chefs der Archenhold-Sternwarte heraus entwickelte sich Dieter B. Herrmann in der DDR zum populären Erklärer wissenschaftlicher Phänomene, nicht nur aus der Astronomie. Landesweit bekannt wurde er als Moderator der Sendung „AHA“ im DDR-Fernsehen, die er 14 Jahre lang betreute. Durch zahlreiche Vorträge, 46 Bücher (darunter echte Bestseller) und zahllose  Einzelveröffentlichungen gewann Professor Dr. Dieter B. Herrmann internationales Ansehen für seine leidenschaftliche Wissensvermittlung. Unter seiner Ägide entstand auch das Zeiss-Großplanetarium am Prenzlauer Berg, dessen Gründungsdirektor er wurde. Mit der Eröffnung 1987 prägte Herrmann auch den Stil dieses Hauses als „Sternentheater“, wo mit modernster Planetariums- und Lasertechnik der Show-Charakter der Veranstaltungen in den Vordergrund gestellt wurde, was bei vielen Besuchern sehr geschätzt wurde.

Für seine Leistungen in der „hervorragenden populären Darstellung auf dem Gebiet der Astronomie in den Medien“ erhielt Professor Dr. Dieter B. Herrmann am 17.9.2019 den renommierten Bruno-H.-Bürgel-Preis der Astronomischen Gesellschaft verliehen.

Seine wissenschaftlichen Verdienste, vielfältigen Mitgliedschaften in wissenschaftlichen Gesellschaften und sein Engagement für die Urania Berlin e.V. und weitere Ehrungen werden sicher an anderen Orten ausführlich gewürdigt.

Hier soll die besondere persönliche Begegnung mit der „Konkurrenz“ im Westen erwähnt werden. Schon mit Herrmanns Ernennung zum Direktor der Archenhold-Sternwarte entspannte sich der „Ton“ im Austausch mit der Wilhelm-Foerster-Sternwarte in „Westberlin“ merklich. Persönliche Begegnungen mit dem Wissenschaftlichen Leiter Adolph Kunert, der von seiner astronomischen „Herkunft“ selbst ein „Archenholder“ war, führten zu einem respektvollen, zuletzt freundschaftlichen Umgang miteinander. Mit der sprichwörtlichen Phantasie von beiden Leitern wurden stillschweigend Möglichkeiten initiiert, die dem jeweils anderen Partner trotz der komplizierten politischen Situation hilfreich waren und die offiziell gar nicht sein durften – sei es der Austausch von Literatur oder die Vermittlung von Gesprächen und Begegnungen mit Wissenschaftlern. Auch Herrmanns Eintreten für eine gemeinsame Zukunft der astronomischen Einrichtungen in Berlin gleich nach der Wende verdient großen Respekt. Dies  wurde aber von der Stadtpolitik damals nicht angemessen gewürdigt.

Die Herausgabe des Buches „Die Geschichte der Astronomie in Berlin“ 1998 ist das bleibende Zeugnis dieser gemeinsamen Bemühungen um eine sachgerechte Lösung für die astronomischen Einrichtungen in Berlin.

Erst 2016 konnten die ursprünglichen Pläne für eine gemeinsame Stiftung realisiert werden!

Noch im „Ruhestand“ ab 2004 hielt Dieter Herrmann weiterhin viele Vorträge, stand auch mehrfach am Pult des Planetariums am Insulaner und erfreute die Besucher mit astronomischen Reiseberichten und astronomiegeschichtlichen Vorträgen. Sein Vortrag über „Georges Lemaitre und seinen Beitrag zu Einsteins Relativitätstheorie“ am 12.2.2020 sollte sein letzter Vortrag in unserem Hause werden, seine Ausführungen zu der spannenden Frage „Wird die Menschheit das Weltall besiedeln?“ findet sich als Beitrag in Nummer 10 unseres Mitgliederheftes.

Für seine großen Verdienste und die freundschaftliche Verbundenheit mit unserem Hause hat der Vorstand Professor Dieter B. Herrmann im Februar 2020 die Ehrenmitgliedschaft in unserem Verein verliehen; diese Ehrung hat dem Geehrten offensichtlich große Freude bereitet.

Es gab in Berlin seit etwa 200 Jahren eine Folge von Einzelpersönlichkeiten mit breiter Publikumswirkung bei Jung und Alt, denen es eine Herzensangelegenheit war, ihre Kenntnisse über die wunderbare Natur und den fantastischen Kosmos auf verständliche Weise allen interessierten Menschen nahe zu bringen. Die Initiative hat dazu Alexander von Humboldt ergriffen, mit dem Engagement von Wilhelm Foerster, Simon Archenhold, dem Autor Bruno H. Bürgel, Richard Sommer, Horst Burkhard Brenske und Adolph Kunert lässt sich ein lückenloses ideelles Erbe der Humboldtschen Idee und ihrer Wirkungen verfolgen, das bis ans Ende des 20. Jahrhunderts reicht. Dieter B. Herrmann war der Letzte in der Reihe dieser illustren Persönlichkeiten; seine klare und verständliche Sprache war eine wertvolle Stimme der modernen Wissenschaft – ein Vermächtnis  – sie wird uns fehlen!