Wissenschaft Live
Die traditionsreichen Mittwochsvorträge zu Themen aus Astronomie und den damit verbundenen Natur- und Kulturwissenschaften finden während der Schließung des Planetariums am Insulaner für umfassende Renovierungen und Umbauten im Schöneberger Rathaus statt. Der Eintritt ist für Mitglieder des Vereins der Wilhelm-Foerster-Sternwarte kostenlos, der reguläre Eintritt beträgt 8€, ermäßigt 6€.
Nächster Vortrag „Wissenschaft Live“
Mittwoch, 16. September 2026, 20:00 Uhr
Rathaus Schöneberg
Herausforderungen für das Standardmodell der Kosmologie
Referent: Prof. Dr. Markus Bautsch, WFS Berlin
1902 erzielte Paul Gerber (1854–1909) unter der Annahme der retardierten Wirkung der Gravitation auf den Planeten Merkur und der Periheldrehung von dessen Umlaufbahn korrekte Ergebnisse für die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Gravitation. Diese Überlegungen deckten sich zwar mit den Ergebnissen der im Jahr 1915 von Albert Einstein publizierten Allgemeinen Relativitätstheorie, gerieten aber schnell wieder in Vergessenheit.
Das heutige Standardmodell der Kosmologie löst die Einsteinschen Feldgleichungen unter der Annahme des kosmologischen Prinzips, nach welchem das Weltall homogen und isotrop ist, mit den vereinfachten Friedmann-Gleichungen. Der englische Kosmologe Edward Arthur Milne (1896–1950) hatte bereits 1935 in voller Anerkennung der Allgemeinen Relativitätstheorie nachgewiesen, dass es im Rahmen der von ihm formulierten kinematischen Relativität auch ein Modell des Kosmos mit einer inhomogenen Verteilung der Materie gibt, das ohne die Allgemeine Relativitätstheorie auskommt.
Mit dem Ansatz, die beobachtete Dynamik des Universums im Rahmen des Standardmodells durch zusätzliche, rein fiktive Hypothesen wie zum Beispiel Dunkle Materie und Dunkle Energie zu erklären, lassen sich beeindruckende Aussagen über die Entstehung des Weltalls treffen, die mit vielen astronomischen Beobachtungen im Einklang sind. Inzwischen werden aber immer weitere astronomische Sachverhalte festgestellt, die sich selbst mit diesen zusätzlichen Hypothesen nicht erklären lassen, so dass das Standardmodell zunehmend unter Druck gerät.
Die naturwissenschaftliche Eleganz der Allgemeinen Relativitätstheorie sollte nicht durch Ad-hoc-Annahmen in eine Sackgasse geführt werden. Bereits etablierte physikalische Konzepte können alternative Beiträge leisten, unser Weltall ohne Dunkle Materie und Dunkle Energie zu modellieren, auch wenn der dafür erforderliche Rechenaufwand erheblich größer wird als beim Standardmodell.
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