Wissenschaft Live
Die traditionsreichen Mittwochsvorträge zu Themen aus Astronomie und den damit verbundenen Natur- und Kulturwissenschaften finden während der Schließung des Planetariums am Insulaner für umfassende Renovierungen und Umbauten im Schöneberger Rathaus statt. Der Eintritt ist für Mitglieder des Vereins der Wilhelm-Foerster-Sternwarte kostenlos, der reguläre Eintritt beträgt 8€, ermäßigt 6€.
Nächste Vorträge „Wissenschaft Live“
Mittwoch, 07. Oktober 2026, 20:00 Uhr, Rathaus Schöneberg
Das Belchen-System: ein frühgeschichtliches Berggipfelobservatorium
Referent: Prof. Dr. Markus Bautsch, WFS Berlin
Das Belchen-System beschreibt die Gruppe von fünf Bergen im Grenzgebiet von Deutschland (Schwarzwald), Frankreich (Vogesen) und der Schweiz (Jura), die seit Urzeiten den Namensbestandteil „Belchen“ tragen und eine bemerkenswerte geometrische und astronomische Konstellation bilden.
Markus Bautsch untersucht die Hypothese, dass diese Berggipfel in der Frühgeschichte als natürliche Azimute eines großräumigen Sonnenobservatoriums genutzt werden konnten. Der Elsässer, der Schwarzwälder und der Schweizer Belchen bilden das rechtwinklige Belchen-Dreieck, dessen nahezu perfekt rechtwinklig zueinander stehenden Seiten in Nord-Süd-Richtung beziehungsweise in Ost-West-Richtung liegen. Im Zentrum des Belchen-Systems steht das südlichste Massiv der Vogesen, der Elsässer Belchen, von dessen Gipfel aus sich zu den astronomischen Hauptzeitpunkten des Sonnenjahres folgende Visuren zu den Belchen-Gipfeln ergeben: Wintersonnenwende: Sonnenaufgang über dem Schweizer Belchen; Tag-und-Nacht-Gleiche: Sonnenaufgang über dem Schwarzwälder Belchen; Sommersonnenwende: Sonnenaufgang über dem Kleinen Belchen. Ergänzt wird dieses System durch den höchsten Berg der Vogesen, den Großen Belchen, der die Reihe der Visuren zum Sonnenaufgang am Tag Beltane (1. Mai) vervollständigt. Ferner zeigt sich die Mittagssonne exakt in Richtung des Mont Blanc. Die Benennung genau dieser fünf Berggipfel wirft die Frage nach einer bewussten geographischen Planung durch frühgeschichtliche Kulturen auf. Dies gilt insbesondere in Bezug auf die Kelten, deren Gottheit Belenus am 1. Mai traditionell mit großen Feuern gefeiert wurde. Bautsch untersucht die kulturhistorische Einordnung des Belchen-Systems als azimutalen Sonnenkalender. Dabei wird mit Hilfe der Berücksichtigung von Satellitendaten für die Topographie der Erdoberfläche kritisch beleuchtet, inwieweit es sich um eine gezielte und beabsichtigte Benennung handeln könnte. Ferner werden als archäoastronomische Befunde der Aufgangsazimut der Plejaden in Richtung des Großen Belchen sowie das Auftauchen eines neuen Sterns bei dessen oberer Kulmination auf dem südlichen Meridian ergänzt.
Mittwoch, 14. Oktober 2026, 20:00 Uhr, Rathaus Schöneberg
3. Harro-Zimmer Space Lecture:
Mondfieber – Der zweite Wettlauf zum Mond
USA oder China – wer wird gewinnen?
Referent: Eugen Reichl, Riedering
Seit der letzten bemannten Landung auf dem Mond sind 54 Jahre vergangen. Jahrzehntelang war danach das Interesse am Erdtrabanten erloschen. Doch seit einigen Jahren ändert sich das dramatisch. In Europa wenig wahrgenommen – ja sogar belächelt – ist die Durchsetzung des Hegemonialanspruchs auf den cislunaren Raum in vollem Gang. Erklärtes Ziel der USA ist die Rückkehr von Astronauten auf die Mondoberfläche im Jahr 2028 und die darauf unmittelbar anschließende Errichtung einer Mondstation. China will spätestens 2030 mit seinen Raumfahrern dort eintreffen und etwa 2035 eine Station auf der Oberfläche bezugsfertig haben.
Beide wollen zum selben begehrten Ort: Dem Shackleton-Krater am Mondsüdpol. Dort könnte eine unschätzbar wertvolle Ressource auf sie warten. Die USA musste in der vergangenen 12 Monaten erhebliche Rückschläge und Programmverzögerungen hinnehmen, während Chinas Vorbereitungs- und Testprogramm derzeit wie am Schnürchen läuft.
Wie ist der gegenwärtige Status der jeweiligen Programme der beiden Konkurrenten? Siegt Amerika mit ARTEMIS oder gewinnt China mit seinem nationalen Programm den zweiten Wettlauf zum Mond? Ein Statusbericht.
Eugen Reichl war viele Jahre in der Raumfahrtindustrie tätig. Er arbeitet nun als freier Autor, Journalist und Blogger. Er hat neben 45 Büchern zur Raumfahrt und verwandten Themen annähernd 600 Fachartikel verfasst.
Vorschau
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Was verstehen wir vom Universum?
Referent: Prof. Dr. Dominik Schwarz, Universität Bielefeld |
| 04.11.2026 |
Das neue Röntgenbild der Milchstraße von eROSITA
Referent: Dr. Axel Schwope, Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) |
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Vom Kosmos zum Klima
Referent: Prof. Dr. Harald Lesch, LMU Ludwig-Maximilians-Universität München |
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Die eruptive Sonne und ihr Einfluss auf die Erde
Referent: Prof. Dr. Sami K. Solanki, Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPI) Göttingen |
| 25.11.2026 |
Terrestrische Planeten im Wandel: Wie das bewegte Innere ihre Entwicklung prägt |
